Mehr als ein halbes Jahr danach: Mein digitales Zuhause zwischen Freiheit und Verantwortung
Mehr als ein halbes Jahr ohne zentrale Plattformen đâš. Dezentral, selbstbestimmt & echt: hatte selten so gute GesprĂ€che đŹđ§. Warum Fediverse besser ist als alles andere:đ
Ende MĂ€rz 2025 habe ich mich endgĂŒltig entschieden, die zentralisierten Social-Media-Plattformen zu verlassen. Kein Instagram, kein Facebook, kein Twitter (oder wie es heute heiĂt: X), kein Instagram, kein TikTok, kein LinkedIn.
Was damals nach einem Technologie-Experiment aussah, ist lĂ€ngst zu einer Haltung geworden â zu einer bewussten Entscheidung fĂŒr digitale Selbstbestimmung.
Seither erlebe ich, was es heiĂt, ein soziales Netz zu pflegen, das nicht verkauft, sondern geteilt wird. Und was es bedeutet, Kommunikation nicht mehr durch Algorithmen, sondern durch Menschen gestalten zu lassen.
Mastodon: Eigene Infrastruktur, echte Autonomie
Mit meiner eigenen Mastodon-Instanz hadan.social habe ich mir nicht nur einen neuen Kommunikationsraum geschaffen, sondern auch ein StĂŒck UnabhĂ€ngigkeit zurĂŒckgeholt.
Keine Reichweitenlogik, keine algorithmischen Empfehlungen, keine kĂŒnstliche Aufregung. Stattdessen direkte, ehrliche Interaktion.
Im Fediverse begegnen sich Menschen anders â weniger performativ, mehr interessiert. Das Betreiben einer eigenen Instanz ist dabei auch politisch: ein praktisches Bekenntnis zu digitaler Demokratie.
Jeder Server ist ein kleiner, autonomer Kommunikationsstaat â verbunden mit anderen, ohne von ihnen abhĂ€ngig zu sein.
Elon Musk und die neue alte Plattform X
WÀhrenddessen verwandelt Elon Musk mit X das, was einmal Twitter war, zunehmend in ein Werkzeug persönlicher Machtprojektion und politischer Einflussnahme.
Seit der Ăbernahme wurde Moderation zurĂŒckgefahren, Desinformation toleriert und der Ton auf der Plattform verschĂ€rft.
Musk nutzt X, um politische Botschaften gezielt zu verstĂ€rken â etwa durch UnterstĂŒtzung fĂŒr extreme Accounts und Angriffe auf demokratische Akteure. Mehrere Ministerien haben bereits ihre Nutzung beendet, weil sachlicher Austausch kaum noch möglich ist.
âMeinungsfreiheitâ ist hier lĂ€ngst zur Inszenierung geworden â und X selbst zu einem autoritĂ€r gefĂŒhrten Meinungssystem, das Inhalte nach KalkĂŒl steuert.
Friendi.ca, Pixelfed, Lemmy und Loops â gelebte Vielfalt statt Monopol
Meine Antwort auf diese Entwicklung ist gelebte DezentralitÀt. Neben Mastodon betreibe ich auch eigene Instanzen weiterer Plattformen:
- Friendi.ca als Gegenentwurf zu Facebook â ohne Ăberwachung, ohne Werbung, mit echter sozialer Interaktion.
- Pixelfed als offene, föderierte Foto-Plattform â chronologisch, transparent, werbefrei.
- Lemmy als freie Reddit-Alternative â eine Plattform, in der Communities ihre Regeln selbst gestalten.
- Loops (WIP) als dezentrale TikTok-Alternative â kurz, kreativ, aber unabhĂ€ngig von Konzernen. Derzeit im Aufbau befindlich.
- PeerTube ist eine föderierte Alternative zu YouTube, bei der Nutzer:innen die Kontrolle behalten: keine Algorithmen, die Inhalte manipulieren, keine Datenkraken, die das Verhalten analysieren. Stattdessen: echte Vielfalt, lokale Instanzen und eine Plattform, die der Gemeinschaft gehört.
Diese Dienste zeigen: Das Soziale muss nicht verkauft werden. Es kann dezentral existieren â menschlich und gemeinschaftlich.
reaktionsfaehig.net: Blogging als föderiertes Medium
Mein Blog reaktionsfaehig.net ist inzwischen ĂŒber ActivityPub direkt mit dem Fediverse verbunden.
Neue BeitrĂ€ge erscheinen automatisch auf Mastodon â dort, wo Diskussion entsteht.

So wird Schreiben wieder zum Dialog, nicht zur EinbahnstraĂe.
Das Fediverse macht möglich, was die zentralisierten Plattformen verlernt haben: Zuhören und Antworten.
Der politische Diskurs: Wo bleiben die Politiker?
Gerade in Zeiten, in denen Social Media immer stĂ€rker als politisches Machtinstrument genutzt wird, ist das Fediverse ein notwendiger Gegenentwurf. Plattformen wie Donald Trumps Truth Social zeigen, wie einfach ein Netzwerk zur ideologischen Infrastruktur einer Bewegung werden kann â zentral gesteuert, kontrolliert und missbraucht.
Bemerkenswert ist, dass die meisten Politikerinnen und Politiker weiter an den alten Plattformen festhalten.
Dabei ist der Diskurs dort verroht â zu laut, zu polarisiert, zu abhĂ€ngig von Empörungsmechaniken.
Im Fediverse dagegen lebt Diskussion anders: ruhiger, respektvoller, inhaltlich.
Hier zĂ€hlt nicht die Pose, sondern das Argument. Es wĂ€re wĂŒnschenswert, wenn mehr politische Stimmen den Weg in dieses offene Kommunikationsökosystem wagten.
Fazit: Kontrolle zurĂŒckgewinnen
Mehr als ein halbes Jahr nach meinem Abschied sehe ich klar: Technische Kontrolle ist gesellschaftliche Verantwortung.
Föderierte Plattformen schaffen Bedingungen, in denen digitale Ăffentlichkeit nicht verwertet, sondern gestaltet wird.
Elon Musk zeigt, warum das notwendig ist. Wenn ein einzelner Mensch Diskurse formen kann, dann ist es Zeit, Alternativen zu leben.
Wer seinen digitalen Raum selbst betreibt, gewinnt PrivatsphĂ€re, UnabhĂ€ngigkeit â und ein StĂŒck Zukunft.
Hinweis des Autors
Alle genannten Projekte â von hadan.social ĂŒber meine PeerTube-, Friendi.ca-, Pixelfed- und Lemmy-Instanzen bis hin zu reaktionsfaehig.net â sind Teil meines Bestrebens, digitale Kommunikation unter gemeinschaftlicher Kontrolle zu halten.
ZukĂŒnftig betreibe ich mit Loops auch eine Fediverse-Alternative zu TikTok.
Mein Blog ist via ActivityPub föderiert und somit direkt mit Mastodon, Friendi.ca und Pixelfed verbunden â ein kleiner Schritt in Richtung mehr digitaler SouverĂ€nitĂ€t.
Derzeit betreibe ich die Instanzen fĂŒr einen kleinen Benutzerkreis oder fĂŒr mich selbst. Gerne unterstĂŒtze ich beim Aufbau und Betreiben von Instanzen.